Ulf (40) und
Sohn Florian (14) traf ich beim Lesen einer Karte direkt am
Wasserstraßenkreuz Madgeburg – zu diesem Zeitpunkt war meine
Verwirrung komplett – an dieser Stelle war ich 10min vorher
schon einmal – die ERW-Wegweiser
zeigten in alle Richtungen, widersprüchliche Beschilderung,
außer in die ich fahren wollte – die Hilfe der Beiden kam mir
gerade Recht – sie hatten sich Tags zuvor eine bessere Karte
gekauft, da sie auch schon Schwierigkeiten hatten den ERW zu
folgen – sie kamen aus Wittenberge –
wir hatten also den gleiche Weg – elbaufwärts.
Nach Madgeburg wollten wir alle
nicht – lieber weit weg vom Verkehr einer Stadt – wir fuhren ein
Stück ERW, rechtselbisch – dann eine
Abkürzung über Wahlitz und Gommern –
die Elbe macht hier einen Schlenker Richtung Westen, daher war
die Abkürzung genial – am Besten war
der Weg über Dornburg, am Campingplatz
Plotzky vorbei, quer durch den Wald – in einem kleineren
Ort fiel mir ein Geräusch auf, das sich anhörte, wie ein
nahender LKW – ich hatte es vorher auch schon wahrgenommen, aber
dem keine Bedeutung beigemessen – ich schaute nach hinten, kein
LKW weit und breit – da entdeckte ich die Ursache – hinten
Rechts am Anhänger war ein Platten im Reifen – Ulf fragte ein
paar Gemeindearbeiter, wo eine Unterstellmöglichkeit wäre, weil
es gerade anfing zu regnen – ein paar hundert Meter weiter, in
einer Seitenstraße, von einem Neubaugebiet, befand sich ein
überdachter, sechseckiger Holzpavillon – dort passten wir, samt
der drei Fahrräder hinein – schnell das Rad des Anhängers
abgenommen, und dann begann das Suchen nach dem Flickzeug –
irgendwo hatte ich mehrere Flicken verstaut – auch, nachdem ich
den zweiten Sack geöffnet hatte, wurde ich nicht fündig – Ulf
und Florian nutzten die Zeit, um ein paar Brötchen zu essen –
meine Suche blieb ergebnislos – Ulf hatte natürlich sein
Flickzeug griffbereit – das Loch im Schlauch war schnell
gefunden, und geflickt – schnell aufgepumpt, um zu testen, ob er
hält – nun den Mantel überprüfen, wo der Gegenstand das Loch
verursacht hat und evt. Noch darin steckt – ein Dorn von einem
Brombeerstrauch – alles wieder zusammenbebaut – Säcke wieder
zusammengepackt und auf den Anhänger geschnallt – fertig.
Der Vortag (110km) steckte mir
noch in den Gliedern (Bein- und Kopfschmerzen und Verspannung im
Nacken) –
Aken
war ein geplantes Tagesziel – außerdem wollte ich das mal
ausprobieren, was im Internet angepriesen wurde – das erste
Gatter war geschlossen (Kanuclub) – das nächste Grundstück war
richtig – hinten auf dem Grundstück standen Wohnwagen, vorne
Boote und dazwischen Container – alles sah etwas verwahrlost
aus, als hätte schon seit einiger Zeit keiner mehr Ordnung
gehalten – der erste Eindruck bestätigte sich, als ich den
Verwalter sah, durchlöcherter Pullover, wahrscheinlich
Brandlöcher von Zigarettenasche, dicker Bauch – insgesamt ein
abstoßendes Erscheinungsbild – „Ja, ein Wohnwagen wäre auch noch
für 12€ zu mieten“ – was nicht teuer ist – allerdings, was mich
da erwartet hätte, war mir nicht ganz geheuer – besser
Der Regen hatte aufgehört – die
Fahr ging weiter auf unserer Abkürzung nach Gommern – unsere
Vorräte haben wir bei REWE (Äpfel, die sehr gut schmeckten,
abgepackten Käse, Cervelatwurst und
eine Flasche Kakao) aufgefüllt – Geld geholt – dann standen wir,
an einer Straßenkreuzung mitten in
Gommern
und wussten nicht so recht welche Richtung am Besten ist – meine
Karten waren dafür nicht zu verwenden, da der Maßstab viel zu
groß gewählt war (was wiederholt feststellen musste) – Ulf hatte
entweder eine Eingebung, oder er hat diese schmale, unscheinbare
Straße auf seiner Karte gehabt – Na, jedenfalls war der Weg
genau richtig – wir fuhren nicht an Hauptstraßen, was wir vorher
oft genug erlebt hatten, sondern durch eine wunderschöne
Landschaft, die aus Feldern, Wald und Wiesen bestand – teils
nicht asphaltierte Waldwirtschaftswege, die aber gut
festgefahren waren – ich konnte die Durchschnittsgeschwindigkeit
von 21km/h gerade mithalten – im Wald konnte ich Windschatten
fahren, was immer ein gewisses Risiko darstellt – der Vordermann
sollte wissen, das er nicht unvermittelt bremsen kann, ohne
einen Auffahrunfall zu verursachen – hinter Florian hatte ich
etwas Bedenken, da er mit seinen 14 Jahren noch etwas unbedarft
ist – es ging alles gut – so weit ich mich erinnern konnte, ging
es über Dornburg am
Campingplatz Prödel vorbei – wir kreuzten Bahnschienen –
mitten im Wald entdeckten wir den Eingang zum
Schloss Friederikenberg, von dem auch nur noch der
Eingang existierte (kein Wunder, das ist schon ein paar Tage
her, nämlich 1696 gebaut) -
das letzte Stück des gemeinsamen Weges führte im Zickzack über
eine riesige Wiesenfläche, auf der wir dem Wind ungeschützt
ausgeliefert waren – mit ca. 5 Stärken blies er direkt von der
Seite – dann macht Windschatten fahren keinen Sinn. - auf den
letzten Kilometern kam noch hinzu, dass hier Spurplatten verlegt
wurden – für normale Fahrradfahrer stellt dies kein Problem dar
– für Anhänger mit zwei Rädern schon – der Anhänger hat auf
beiden Seiten noch gerade ausreichend Platz, um nicht von der
Spurbahn herunterzurutschen (das Problem tritt ab 2008 nicht
mehr auf, da der Hänger gegen einen Einradanhänger ausgetauscht
wurde, auch MONOPORTER genannt) - man ist ständig damit
beschäftigt den Hänger auf dem Beton zu halten, außerdem sollte
man auf dem Vordermann achten, da dieser plötzlich anhalten
könnte – größere Abstande sind bei dieser Geschwindigkeit keine
gute Idee, da man sonst den Anschluss schnell verliert - Vater,
Sohn und ich trennten uns kurz vor Aken,
da die Beiden noch einigermaßen fit waren und einen Campingplatz
ausprobieren wollten, der noch einige zig. Kilometer weiter lag.
Der Zeltaufbau erwies sich
schwieriger, als gedacht – der Wind wehte, wie den ganzen Tag
schon, mit Stärke 6 – erstmal Duschen, Abendessen Fertiggericht
Asiatisch Curry – ich kochte hinter einer Sichtschutzwand – dort
war es einigermaßen auszuhalten – um ein bisschen ausruhen
(Tisch uns Stuhl und die Fahrt Revue passieren lassen, war
dieser Ort gut geeignet – der Wind wurde zum Abend nicht
weniger, sondern mehr - beschloss ich einen Tisch der
Bierzeltgarnitur mit dem Verwalter zusammen hochkant vor das
Zelt zu stellen, um nicht schutzlos dem Wind ausgeliefert zu
sein – dieser leistete gute Dienste, kippte aber doch einmal,
durch den Winddruck, um – ich konnte ihn aus dem Zelt heraus
wieder in seine ursprüngliche Position drücken (gut, dass er mir
nicht direkt auf den Kopf gefallen ist.