

Der
WERRA-RADWEG
In Eschwege bin ich auf der Linken Seite der Werra völlig vom WerraRadWeg
abgekommen. Plötzlich stand ich vor einem Radwegweiser auf dem ein M stand.
Bisher waren es immer R-Bezeichnungen. Dort gibt es wohl noch einen Radweg durch
Hessen. Ein älter Mann auf dem Fahrrad, braungebrannt mit Tarnweste von der
Armee, erklärte mir, wie ich wieder zurück auf meinen Weg kommen würde. Er fuhr
mit mir sogar ein paar Kilometer durch Eschwege Richtung Jestädt. Der Ort
befindet sich rechts der Werra (von der Quelle aus gesehen). Ein besonders
schöner Abschnitt an der Werra ist zwischen
Frankenroda, ca. 10km vor
Eisenach.
Um ca. 17:00 Uhr mache ich eine Zwangspause, wegen der Übernachtungsmöglichkeit.
Der Kanuclub Hörschel ist der letzte bis Heringen, bzw. Meiningen. Hier schließt
mir der 1. Vorsitzende sofort, nachdem ich angekommen bin, die Türen zum
Sanitärhäuschen auf. Er hat anscheinend gleich neben der Einfahrt zum
Clubgelände einen Kleingarten. Ein Bier kann ich ihm auch gleich abkaufen - der
Abend ist gesichert. Ich bin alleine auf dem Gelände. Es hatten sich noch ein
paar Kanufahrer angekündigt, die aber nicht mehr kamen. Diese Gelegenheit nutze
ich, um meine Sachen zu waschen. Heißes Wasser, so viel, wie man möchte - ohne
Duschmarken - welch ein Luxus! Der Grillunterstand bietet sich an, um die
Kleidungsstücke zum Trocknen aufzuhängen. Zelt aufbauen - etwas Ordnung schaffen
und ein kleiner Spaziergang ins Dorf kann auch nicht schaden. Leider humpele ich
immer noch.
Der linke Fuß macht immer noch Probleme mit der Archillissehne.
Das Dorf ist kleiner, als ich dachte. Hier beginnt der
Rennsteig. Das ist ein
170km langer Wanderpfad quer durch den Thüringer Wald. Am Abend mache ich mir es
bequem in dem Unterstand mit Sitzmöglichkeiten. Die Tütensuppen müssen auch mal
weg. Dazu gibt es Brot mit Schinken. Der Kanuclub befindet sich übrigens an
einer Hauptstrecke der Bahn. Direkt dahinter ist eine gewaltige Autobahnbrücke,
die so hoch, wie die vom Brenner ist - kommt mir wenigstens so vor. Trotzdem
hört man den Verkehr. Die Bahn dagegen ist höllisch laut. Meine Bedenken, dass
ich dabei nicht schlafen könnte, waren völlig unbegründet. Im Zelt schlafe ich
nach einem Tag auf dem Fahrrad, wie ein Stein.
Sa |
06.06.2009 |
Hörschel - Wasungen 10km westlich von Eisenach liegt Hörschel - dort befindet sich
der einzige Kanuclub weit und breit |
ca. 92
Tacho spinnt |
km |
Zum Frühstück habe ich alles dabei. Ich verlasse den Kanuverein
um 9:00 Uhr. Vielleich komme ich hier nocheinmal her, denn es gefiel mir hier
gut. Es ist sauber und ordentlich hier. Am schönsten wäre es gewesen, wenn noch
andere Leute hier gewesen wären. Von Hörschel ging es schöne glatte, geteerte Fahrradwege (wie an
der Weser) die Werra weiter hinauf. Das
Grenzmuseum "Schifflersgrund"
liegt am Weg (Ortschaft Bad Soode-Allendorf). So etwas kenne ich schon vom
ElbeRadWeg.
Zufällig bin ich in ein Mountainbike-Rennen geraten. Es ging,
wie ich später feststellte, immer an der Werra entlang nach
Bad Salzungen. Diese teils gleiche
Streckenführung führte mich unweigerlich bis ins Ziel. Dort konnte ich ja
schlecht durch die Zeitmessung fahren. Deshalb für ich herum, was der Moderator
der Veranstaltung gleich mit dem folgenden Kommentar beschrieb: "Es handelt sich
hier wohl um ein Begleitfahrzeug". Denn mit Anhänger sah es schon etwas
ungewöhnlich aus. Am Ziel gab es etwas zu essen (Nudel oder Kartoffeln mit
Pilzen - lecker) Das passte gut, denn es war gerade Mittagszeit und ich hatte
Hunger. Warum ich nichts bezahlen musste, ist mir immer noch nicht klar -
wahrscheinlich, weil ich so abrissen aussah. Einkaufen war angesagt, denn morgen
war Sonntag. Der Lidl war gleich in der Nähe. Noch einen Kaffee und ein Stück
Kuchen und es ging weiter.
Der Weg wurde immer schlechter. Schon vorher war dieser vom
Regen ziemlich aufgeweicht. einspurig. Es war der Uferweg der Werra. Außerdem
wurde er immer schmaler. Einmal übersah ich ein Schild und fuhr unnütze 200
Höhenmeter auf eine Hügel namens KIRCHBERG (450m) bei Wernshausen. Ein
Autofahrer meinte, es sei der Weg zum Gasthof. Dort habe ich das Schild
gefunden. Es war versteckt hinter Zweigen und Blättern. Der richtige Weg wurde
immer anspruchsvoller. Es ging durch den Wald, auf und ab, links und rechts,
starke Steigung, bis die Kette riss. Nun war ich mitten im Wald. Ca. 15km vor dem Ziel des
heutigen Tages. Ich klingelte an dem ersten Haus der kleinen Siedlung namens
"Windenhof". Am nächsten Haus öffnete ein junger Mann. Mit Hilfe einer
Nagelfeile versuchte ich den Kettentrenner wieder funktionsfähig zu machen.
Leider funktionierte dies nicht nicht. Einen Schraubstock, einen Hammer
und einen Durchschlag fanden wir in der Garage. Ein Kettenglied musste ich
entfernen. Alles OK - weiter.
Wer einen Campingplatz oder ein Bootshaus vom Kanuclub in
Wasungen erwartet, wird
enttäuscht sein. Die Rasenfläche ist gemäht und der Minicontainer verschlossen.
So fand ich den Platz vor. Leider reagierte auch Niemand auf meinen Anruf beim
Platzwart. In der Werra konnte ich mich wenigstens waschen und mein Geschirr
spülen. Wasser hatte ich noch gerade ausreichend mitgenommen. Die Nacht war
ruhig. Kein Mensch verirrte sich hierher. Am Morgen kam, nachdem ich schon meine
7 Sachen zusammengepackt hatte, der Platzwart. Ich sollte doch noch die Gebühr
für die Nutzung zahlen! Ich dachte mich tritt ein Pferd. Ich zahlte natürlich
nichts - so eine Frechheit!

Das es ein
langer Tag werden würde, war mir am Morgen noch nicht ganz bewusst. in
Wasungen wusste ich noch nicht, ob die Kette, die ich tags zuvor repariert
hatte, halten würde. Nur unter Belastung funktionierte das kleinste Kettenrad,
sonst verhakte sich die Kette immer wieder und ich konnte nicht weiter treten.
Ein Stück zurück treten, dann ging es wieder. Das könnte Probleme geben, wenn
man darauf angewiesen ist. Mir war klar, dass ich diesem Tag darauf angewiesen
sein werden würde. Ein Austausch war nicht möglich, da am Sonntag wohl kaum ein
Fahrradhändler geöffnet hatte. - Also einfach losfahren und hoffen, dass
es hält - und sie tat es. Zweites Problem: Wo übernachten. Im
Thüringer Wald gab es keine Campingplätze (wahrscheinlich wegen
Naturschutzgebiet). Kanu oder Ruderclub waren auch auszuschließen, da die Flüsse
hier nur Bäche waren. Mal sehen was kommt. Mit einmal verfahren ging es ganz gut
bis Eisfeld. Die Straße
und Wege waren alle asphaltiert. Kurz vor
Eisfeld liegt Harras, welches
von Veilsdorf zu erreichen ist. Dass diese 6km eine Tourtour werden können,
hätte ich nicht gedacht. Die WerraRadWeg-Schilder waren nicht zu finden, obwohl
ich bereits einmal umgedreht war. Also Passanten gefragt, die mir versicherten,
dass ich auch den Weg dort nehmen könnte. Unbefestigter Kiesel mit einer
Steigung von ca. 10%. Der Weg teilte sich an mindestens 5 Stellen. Gut das ich
dann, bereits mitten im Wald, zufällig Wandere traf. Die beschrieben mir einen
Weg, den ich garantiert niemals gefunden hätte. Nach Eisfeld
ging es hinauf zum Rennsteig, Die Bundesstr. war an diesem Tag nur wenig
befahren - jetzt oder nie sagte ich mir. Die Entscheidung war im Nachhinein die
Richtige. Der WerraRadWeg wäre
noch anspruchsvoller gewesen. Nicht ohne Grung überholten mich einige
Moutainbike fahrer an den mit 12% ausgeschilderten Steigungen. Bei
Siegmundsburg (Foto
10)war das schlimmste geschafft. Dort befindet sich auch eine der Werraquellen
(Foto 9). Bei Neuhaus
am Rennsteig geht es bergab. Das Fahrrad mit dem Anhänger war kaum zu
bremsen. Mit bis zu 61km/h raste ich Richtung
Hohenwarte.
Nebenbei sollte ich erwähnen, dass ich bei Gräfenroda am Eingang
zum längsten Tunnel Deutschlands (8km) vorbeikomme. Näheres dazu unter:
http://de.wikipedia.org/wiki/Rennsteigtunnel#Geschichte
An einer Tankstelle stärkte ich mich mich mit Kaffee und dem
Kuchen vom Vortag. Hier war es warm und man konnte bequem sitzen. Der Verkäufer
erklärte mir den Weg, der mich über durch Orte führen sollte, die ich mir gut
erprägen musste, da ich keine Karte von der Gegend besaß. Des wegen eine zu
kaufen, schien mir überflüssig. Denn sobald ich in der Nähe der Saale war hatte
ich eine ganz genaue Karte. Die Orte hießen Gräfenthal - Probstzella -
Hockerroda - Eichicht. Mehrere Leute, die ich ansprach sagten merkwürdigerweise
immer das Gleiche: IN HOCKERRODA beim PENNY-Markt RECHTS ab. So war es dann
auch. Der nette, junge Rennradfahrer Wiegand half mir den Weg zu finden. Das
Unwetter hatte nach einer Stunde aufgehört. Nass waren wir natürlich immer noch.
Daher kehrte mein Mitfahrer, der in Eichicht wohnt auch bald um.
Am Gasthaus angekommen, sah ich einige Wohnwagen stehen. Aber
leider keine Menschenseele. Was nun - nach 142km um ca. 20:00Uhr abends hat man
keinen Bock mehr. Eine Sitzgelegenheit, die überdacht war, kam mir genau recht.
Zelt aufschlagen - Essen kochen - Schlafen gehen.
http://www.neuhaus-am-rennweg.de
| Durchschnittsgeschwindigkeit 17,7 km/h
Morgens um 7:00 Uhr ist es nass und kalt. die Sonne, die oft
durchkommt, wird erst am Vormittag in die Lichtung scheinen können. Nur
noch Wasser für den ersten Kaffee. Kein Trinkwasser mehr vorhanden. Daher
waschen im Bach ist angesagt. Die Kleidungsstücke, die ich zum Trocknen
aufgehängt hatte, sind über Nacht kaum trockener geworden. Die Fahrradschuhe
sind immer noch total nass. Meine Stimmung ist mittelmäßig. Auf geht's Richtung
Saalfeld. Was mir allerdings noch nicht zu diesem Zeitpunkt klar ist, das, dies
der heutige Abreisebahnhof sein wird.
Ca. 8km geht es wieder zurück am Stausee entlang. Ich befinde
mich 19km von Ziegenrück
entfernt. Das ist ein bekannter Ort, aus dem Jahr 2007. Hier bin ich mit
Freunden auf der
Oberlandbahn mit Draisinen gefahren -> siehe
www.draisinenralf.de.
16km Bundesstr. sind normalerweise kein Problem, aber in an
einem Montagmorgen ist dort schon was los. Besonders LKW's haben Schwierigkeiten
an mir vorbeizukommen. Die Kurven und Steigungen zwingen die Fahrer Minutenlang
hinter mir zu bleiben, bis kein Risiko mehr besteht. das gab mir, glaube ich ,
den Anstoß zu meiner Entscheidung abzureisen. Die meiste Kleidung musste
gewaschen werden. Die Hälfe davon war nass, sowie das Zelt. Die Wetteraussichten
versprachen nichts Gutes.
TIPP: Kaufe immer LänderTickets am Automaten - z. B.
Thüringen-Ticket für 19€ + NiedersachsenTicket für 20€ - Fahrradkarte kostet
4,50, die man nur für Niedersachsen benötigt - in Thüringen kostet die
Fahrradmitnahme NICHTS!!!
12:19 fuhr mein Zug nach Erfurt über Neudietendorf, wo ich
umsteigen musste in den Zug nach Götttingen. Von dort sollte es mir einem
METRONOM über Uelzen
(umsteigen) nach Hamburg gehen. Leider hatte der METRONOM aus Uelzen Verspätung,
so dass ich den REGIONALEXPRESS Richtung Kiel gerade noch erreichen konnte. Um
20:50 Uhr war ich glücklich wieder zu Hause :-)
Uelzener
Bahnhof (Hundertwasser)
Weitere Websites
von Ralf -
kajakralf.de
-
draisinenralf.de
